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Multi-Blogging. Wer es kann

Mehrere Blogs

Multi-Blogging. Wer es kann

Freitag, der 13. Ein Tag, so gut wie jeder andere, um zum zweiten Mal an einer Blogparade teilzunehmen. Diesmal zum Thema Multi-Bloggen. Sollte man sich mit einem Blog zufrieden geben oder expandieren? Braucht man nicht auf Dauer ein Ausweichprojekt, um sich mal ganz anderen Themen zu widmen, womöglich jenen Themen, die man verschämt in der Ecke stehen lässt, weil sie nicht in den Hauptblog passen?

 

Da ich noch nicht lange einen eigenen Blog habe, überrascht es wohl auch nicht, dass ich erst einen eigenen Blog habe. Diese Tatsache ist allerdings insofern bemerkenswert, dass ich durchaus einen Hang zum Multi-Blogging besitze. Ich bin quasi ein Multi-Blogger ohne Multi-Blogs. Klar, dieser Blog hier ist eine ziemlich bunte Kiste, in der ich mich mit allerlei Dingen zwischen früher und jetzt, zwischen Mythen und Geschichte, zwischen stillstehenden und bewegten Bildern befasse. Es kann also nicht von einem spezifischen Themenblog die Rede sein. Auch nicht von einem Blog aus dem Mainstream, der seine einmal gewählte Richtung schon fast beibehalten muss, um hunderte Stammleser nicht zu vergraulen. Mich reizt jedoch die Idee von Themenblogs als Vorstöße in ganz eigene Welten, gewissermaßen zur Erschaffung verschiedener kleiner Mikrokosmen.

 

Die geheime Schreibmaschine

 

Multi-BloggingNicht wenige bekannte Romanautoren legen sich nebenbei ein oder mehrere Pseudonyme zu, um mal etwas anderes zu veröffentlichen, als das, wofür sie  berühmt sind. Erfolgreiche Kinderbuchautoren veröffentlichen so Krimis, Horrorautoren schleichen sich in die Science Fiction und Liebesschnulzenschreiber schreiben … Liebesschnulzen vor dem Hintergrund einer Zombie-Apokalypse. Auch wenn diese Pseudonyme mitunter auffliegen, können die Autoren ihre zweite Autorenidentität dennoch weiter nutzen, um sich in anderen Genres auszutoben. Etwas ähnliches lässt sich auch mit Blogs tun. Warum nicht neben dem sehr erfolgreichen Kochblog noch einen kleinen Blog über Volleyball betreiben, seinem anderen Hobby? Im Impressum – denn natürlich halten wir uns alle an das äußerst beliebte Telemediagesetz – müssen wir zwar mit offenen Karten spielen, aber a) liest das eh keiner und b) ist es ja nicht verboten, mehrere Interessen zu haben. Wenn man sie sauber trennt, fühlt sich kein unsportlicher Kochfan angegriffen.

 

Sollte man natürlich ein ganzes Alphabet an Interessen oder Fachwissen haben – von A wie Ameisenkunde über L wie Lederhosenschnittmuster bis Z wie Zugbrückenfotografie – kann man auf Dauer in die Bredouille kommen. Spontan würde ich sagen, dass mehr als vier eigene Blogs neben einem Vollzeitberuf erste Symptome von Überforderung auslösen könnten. Getestet habe ich es selbst noch nicht. Es ist allerdings nicht neu für mich, mehrere Schreibprojekte gleichzeitig zu haben und daher weiß ich, dass es trotz aller guten Vorsätze und Anfangseuphorie schwer ist, alle Kandidaten gleichrangig zu behandeln und nicht mindestens ein Projekt zu haben, das man allen anderen vorzieht und eines, das man in erster Linie als Belastung empfindet. So entstehen durch Multi-Blogging Multi-Blogleichen.

 

Suchen nach der Goldgrube oder Fischen am Rand

 

Es sind aber nicht nur die verschiedenen Interessen und Expertisen, die man als Mensch nun mal so hat, die zum Multi-Blogging inspirieren. Gerade wer mit dem Bloggen Geld verdienen will, weiß, dass mehr einfach besser ist. Es kommt aber nicht allein auf die Quantität an, denn mit 10 Blogs zu gefragten Themen verdient man natürlich schneller als mit 20 Blogs zu Themen, die kaum Traffic ziehen. Je höher die Einnahmen sind, desto leichter fällt es wahrscheinlich auch, sich zu überwinden, regelmäßig über Themen zu schreiben, die einen persönlich kaum bis überhaupt nicht interessieren. Ich kann es nicht beweisen, aber vermutlich haben sogar schon Vegetarier Blogs über Fleischrezepte betrieben, weil der eigene Rucolasalat ja irgendwie bezahlt werden muss. Das ist vollkommen legitim, allerdings auch anstrengend. Vor allem, wenn man zahlreiche Blogs betreibt über fachspezifische Themen, mit denen man sich wenig auskennt. Wer ohne von Software eine Ahnung zu haben einen Softwareblog betreibt und daneben vielleicht noch einen Blog über Ägypten, wo er noch nie war, und über eine Musikrichtung, die er mehr so semi-ertragbar findet, der weiß abends auch, was er getan hat. Und hört vielleicht bald damit auf, es zu tun.

 

Würde man mir anbieten, nebenberuflich in meiner spärlichen Freizeit noch einen Blog über, sagen wir, klassische Musik zu betreiben, der garantiert wöchentlich Besucherzahlen im vierstelligen Bereich hätte, käme ich vielleicht ganz kurz in Versuchung, aber könnte letztlich gar nicht einwilligen, weil ich mich weder mit klassischer Musik auskenne, noch sie mag und es mir überhaupt keinen Spaß machen würde, meine Freizeit damit zu verbringen. Ganz zu schweigen davon, dass ich immer Angst hätte, mich mit Halbwissen völlig zu blamieren.

 

Multi-BloggingMulti-Blogging kann aber auch als eine Art Amateursport betrieben werden, bei dem man Blogs zu solchen Randthemen betreibt, die kaum im Internet vertreten sind, zumindest nicht in der eigenen Landessprache. Das sind dann sicherlich sehr spannende, experimentell angehauchte Projekte. Mit etwas Glück und Geschick kann man dabei auch ganz gut verdienen, eben weil die Konkurrenz so klein ist. Das wäre etwas, dass ich mir vorstellen könnte, nicht aus finanzieller Hinsicht, sondern weil ich es spannend fände, dann eine von wenigen oder sogar die einzige (deutsche) Quelle zu einem Themengebiet zu sein. Das erfordert aber natürlich viel mühevolle Recherche, viel Arbeit mit anderssprachigem Material – und damit meine ich nicht nur Englisch – und birgt zudem die Gefahr, am Ende als Experte in eine Talkshow eingeladen zu werden. Für einzelne Beiträge stemme ich das mal ganz gerne (außer das mit den Talkshows), aber für einen ganzen Blog, der nicht als Leiche enden soll? Schwierig.

 

Blog-o-Rama

 

Früher oder später werde ich weitere, eigene Blogs ins World Wide Web schießen. Oder auch nicht. Es reizt mich schon, aber ich sehe auch die Fallstricke. Da es mir nicht ums Geld geht, werde ich mich wohl nie auf große, populäre Themenbereiche stürzen, mit denen ich selbst nichts anfangen kann. Nur weil ich einen Kleiderschrank habe, verstehe ich noch nichts von Mode. Ich kann auch einigermaßen kochen, aber es macht mir keinen Spaß. Als ich das letzte Mal zu Nähen versucht habe, ist die Nähmaschine vor Lachen geplatzt. Für einen Reiseblog müsste ich reisen und dabei ist die Tatsache, dass ich nicht gerne reise, eher hinderlich. Ich fische lieber am Rand.

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