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Alte Tierfotos: Fast vergessene Vierbeiner

Alte Tierfotos

Alte Tierfotos: Fast vergessene Vierbeiner

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben die Menschen noch nicht hemmungslos alles fotografiert, was ihnen so vor die Nase kam. Dies war allein schon finanziell nicht möglich und niemand hatte Instagram-Follower, die interessiert an stündlichen Schnappschüssen gewesen wären. Das heißt aber nicht, dass vor 80, 70 oder 60 Jahren nur Fotos von staatstragend in die Kamera blickenden Familienmitgliedern geschossen wurden. Das nun wirklich nicht.

 

Inzwischen habe ich eine so umfangreiche Sammlung an alten Fotos aufgebaut, um definitiv bestätigen zu können, dass auch vor mehr als einem halben Jahrhundert schon so manche Bilder entstanden sind, die nichts mit „Onkel Gustav an seinem 60. Geburtstag“ oder „Erna bei ihrer Einschulung“ zu tun hatten. Gemeint sind sowohl Spaßbilder mit seltsam posierenden Personen, die man als die Vorfahren heutiger Selfies bezeichnen könnte, als auch Bilder ganz ohne Menschen, dafür aber mit Motiven wie Spielzeuge, Möbel, Geschirr, Fahrzeuge, Essen, Pflanzen – und Tiere. Solche Fotos wurden nur eben wesentlich seltener geschossen als heute und bei ihrer Qualität kann man mitunter eine Katze nicht von einem Känguru unterscheiden, aber sie existieren. Sie verschwanden irgendwann in Kellern und auf Dachböden, um von mir wiederentdeckt zu werden. Einige Beispiele habe ich bereits hier präsentiert.

 

Kriegskatzen und Kühe vor dem Kaisersaal

Alte Tierfotos: Kühe

„Kaisersaal Jos Fries“ steht auf dem großen Gebäude hinten links. Vorne im Bild sehen wir zwei Rindviecher. Vermutlich ging es dem Fotografen dieses Bildes primär darum, die beiden doch ziemlich lässigen und entspannten Tiere abzulichten. Vermutlich ein Stadtmensch, der einer lebenden Kuh zuvor noch nie so nahe gekommen ist. Falls es diesen Kaisersaal heute noch gibt, hat er entweder keine Homepage, heißt mittlerweile anders oder ist einfach wirklich schwer zu finden. Die beiden Rinder weilen mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr unter uns, liegt die Lebenserwartung dieser Säugetiere doch bei rund 20 Jahren. Das Foto ist mindestens 70 Jahre alt. Ihre Nachkommen könnten aber noch fröhlich irgendwo Gras malmen.

 

Alte Tierfotos: Rehe

Vorsicht, Rehe auf dem Weg! Beeindruckend wie wenig sich die hier abgelichteten Tiere von den Menschen oder zumindest von dem einen Menschen, der das Foto geschossen hat, stören lassen. Ich weiß nicht, wann und mit was für einer Kamera das Bild gemacht wurde, aber sie war definitiv klobiger als ein Smartphone. Vielleicht hat sie sogar „Clack!“ gemacht. Alles ganz egal bei diesen tiefenentspannten Vierbeinern.

Alte Tierfotos: Katzen

Das sind Katzen. Die meisten der – grob geschätzt – 900 Millionen Katzenbilder, die aktuell so im Internet kursieren, sind wesentlich schärfer und bunter, aber zeigen dafür in der Regel Katzen, die lange nach der Erfindung des Farbfernsehens geboren wurden. Wie langweilig. Das hier sind original Katzen aus den 1940er Jahren. Kriegskatzen. Sie sehen aber zumindest auf diesem Bild nicht so aus, als hätten sie viel entbehren müssen.

 

Alte Tierfotos: Giraffen

 

Damals, als es in deutschen Wäldern noch Giraffen gab … na ja, fast. Dies ist eindeutig ein Foto aus einem Zoo und zeigt eine Giraffenfamilie. Die Baby Giraffe, die vermutlich das anvisierte Hauptmotiv war, versteckt sich ein bisschen. Dass man früher schon Tiere in Zoos fotografiert hat, ist keine sensationelle Erkenntnis, mit der ich meine eigene Folge von „ZDF History“ bekomme.

 

Bisher warte ich noch vergeblich darauf, einmal zufällig ein Foto zu entdecken, dass der Geschichtsforschung bahnbrechende neue Erkenntnisse liefert, Geheimnisse enthüllt, falsche Annahmen widerlegt oder zumindest einen guten Aufhänger für eine Reportage abgibt. Das kann aber natürlich noch kommen. Bis dahin: ein Schwarz-Weiß-Bild von drei Giraffen in einem Zoo.

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