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Die amerikanische Idylle, nach der ein Ebola-Virus benannt ist

Lake Anne Plaza, Reston

Die amerikanische Idylle, nach der ein Ebola-Virus benannt ist

Im Jahr 2012 kürte das Magazin CNNMoney die Best Places to Live in America. Auf Platz 7 dieser illustren Aufzählung der lebenswertesten Orte in den USA landete die Stadt Reston im Bundesstaat Virginia. Kein schlechtes Ergebnis, aber wer weiß, ob es nicht noch besser ausgefallen wäre, wenn Reston nicht mit dem so gefürchteten Ebola-Virus in Verbindung stehen würde. Mehr noch: Reston ist von Deutschland „besetzt“.

 

Reston ist eine Planstadt. Sie wurde von dem Immobilienunternehmer Robert E. Simon entworfen, der ganz bestimmte Vorstellungen hatte. Nachdem er das berühmte Konzerthaus Carnegie Hall, das seit 1924 im Besitz seiner Familie war, 1960 für 5 Millionen Dollar an die Stadt New York verkauft hatte, nutzte Simon das Geld, um seine eigene Stadt Realität werden zu lassen. Reston wurde am 17. April 1964 gegründet und verdankt seinen Namen den Initialen (R. E. S.) des Schöpfers. Das Land, auf dem die Stadt errichtet wurde, hatte Simon den Erben des britischen Lords Thomas Fairfax abgekauft.

 

Eine Stadt wird passend gemacht

 

Stadtmitte von Reston

Reston Stadtmitte

Robert E. Simon verfolgte das Ziel, eine Gemeinde zu schaffen, in der die Menschen gleichzeitig wohnen und arbeiten können und es keinen Grund gibt, jemals wegzuziehen. Seine Planung sah eine Vielzahl offener Flächen vor, die sowohl wirtschaftlich als auch für Freizeitaktivitäten genutzt werden. Die Schönheit der Stadt war für ihn ein wichtiges Kriterium, damit sich die Einwohner wohl fühlen. Entsprechend gibt es bis heute einen strikten Bebauungsplan, der bis zum Hersteller der Farbe eines Hauses alle Details bestimmt. Ich könnte schwören, schon diverse Filme gesehen und Bücher gelesen zu haben, die so anfingen und in der Regel damit endeten, dass viele Menschen starben oder durch Roboter ersetzt wurden. Oder beides. Freilich halten sich nicht alle Anwohner strikt an diese Vorgaben und bisher wurden dafür noch keine Todesurteile gefällt.

 

Die 45 km² große Stadt Reston verfügt unter anderem über zahlreiche öffentliche Schwimmbäder, zwei Golfplätze, mehrere Parks, einem Theater, zwei Kunstgalerien und vier künstlichen Seen (einer davon ist oben im Beitragsbild zu sehen). Außerdem ist Reston die Heimat der National Wildlife Federation und der Corporation for National Research Initiatives sowie eines Stützpunkts der – man glaubt es kaum – German Armed Forces Command for North America. Über 1.000 deutsche Soldaten sind in Reston stationiert, was zur Folge hat, dass eine ganze Reihe deutscher Traditionen in der Stadt Einzug gehalten haben. Das passt durchaus, ist der 2015 im stolzen Alter von 101 Jahren verstorbene Stadtgründer Simon doch ein Sohn deutscher Auswanderer. Insgesamt leben rund 58,000 Menschen in dem Ort.

 

Reston und Ebola

 

Im Jahr 1989 betrieb das Auftragsforschungsinstitut Covance Inc. eine Anlage in Reston. Dort bemerkten die Wissenschaftler die Verbreitung eines Virus unter den in Quarantäne gehaltenen Javaneraffen. Zunächst wurde ein Ausbruch des Ebola-Virus befürchtet. Untersuchungen ergaben schließlich, dass es sich um einen neuen Stamm von Ebola handelte, der für Menschen keine Gefahr darstellt. In Anlehnung an den Entdeckungsort erhielt das Virus den Namen Reston Virus, kurz RESTV. Eine solche Verwendung seiner Initialen hat sich Robert E. Simon sicher auch nicht ausgemalt. Basierend auf den Ereignissen schrieb Richard Preston 1995 den Roman „The Hot Zone“, der zum Bestseller wurde. Die Anlage wurde einige Zeit später abgerissen, heute steht an ihrer Stelle eine Kindertagesstätte.

 

Bildnachweis

  • Reston Stadtmitte, Foto von Payton Chung (CC BY 2.0)
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