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Gold, Silber, Hörner

Französische Wappen

Gold, Silber, Hörner

Bonjour. Auch unseren Freunden aus Frankreich gebührt eine eigene Folge „Spaß mit Wappen“. Allein schon die Ortsnamen klingen wie Melodien: Lons-le-Saunier, Sèvres, Lantosque … Da ist man bereits verzückt, bevor man die Wappen sieht. So eine schöne Sprache, so lästig zu lernen.

 

Dies ist übrigens die 10. Ausgabe meiner wilden Wappenwonne. Das erste Wappen, das ich einzeln vorgestellt habe, war jenes der Gemeinde Tinténiac in –  sacrebleu! – Frankreich. Falls ich mich selbst mal kurz zitieren darf: „Das Wappen von Tinténiac stammt aus dem Jahr 1384, was sich auch in der Schildform widerspiegelt, die heute als Alte französische Form bezeichnet wird […].“ Französische Wappen haben ihre Spuren hinterlassen. Sie haben das Wappenwesen mitgeformt. Wörtlich. 

 

Fünf französische Wappen

 

WAPPEN VON Granville

Französische Wappen: GranvilleMal wieder keine Sonnencreme dabei? Versuch es mit einem Schwert! Das wehrt die Sonne ab und ist auch noch ein hilfreiches Accessoire für Grillpartys. Ich weiß nicht, warum die Sonne hier so bedroht wird und ob der Rest des Ritters in der Wolke verborgen liegt oder die Wolke einfach einen eigenen Arm mit Rüstung hat, aber ich finde das Wappen recht einprägsam. Granville liegt in der Normandie und ist ein bekannter Kurort mit Jachthafen. Die Sonne auf dem Wappen und der blaue Hintergrund stehen für die Seelage, das Schwert und der Arm für die militärische Vergangenheit Granvilles als Garnisonsstadt.

 

WAPPEN VON Porcheville

Französische Wappen: Wappen von PorchevilleAuf rotem Grund ein Kreuz, zwei Blitze und zwei Eicheln. Ohne die Eicheln hätte das Wappen ein bisschen was vom Zorn Gottes, aber diese beiden Nussfrüchte unterlaufen die Wirkung. Während Eicheln auf Wappen einfach Eicheln sind, ohne namentliche Unterschiede, gibt es bis zu 20 verschiedene Arten von Kreuzen. Auf dem Wappen von Porchevielle abgebildet ist ein Lateinisches Kreuz, bei dem der Längsbalken länger ist als der Querbalken und der Querbalken den Längsbalken oberhalb von dessen Mitte kreuzt. Dabei handelt es sich um die verbreitetste Variante des christlichen Kreuzes. Blitze sind ein vergleichsweise modernes Wappenmotiv aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, das für Elektrizität steht.

 

WAPPEN VON Lons-le-Saunier

Französische Wappen: Lons-le-SaunierNein, das ist kein Ladefehler. Das Wappen der Stadt Lons-le-Saunier sieht tatsächlich etwas unfertig aus. Unter den beiden klar getrennten Motiven – eine rote Fläche mit gelbem Streifen und ein blaues Horn mit rotem Band – verläuft eine schlichte, silberne Fläche, die gut die Hälfte des Wappens einnimmt. Dadurch wirkt es halbleer – oder halbvoll, je nachdem, ob man ein Wappenpessimist oder ein Wappenoptimist ist. Die Farbe Silber vermittelt Friedfertigkeit und Reinheit. Bei dem Horn handelt es sich um ein so genanntes Hifthorn, das im Mittelalter dazu diente, Signale zu geben. Es wurde vielfach von Nachtwächtern, Soldaten und Jägern sowie auch von Postboten verwendet.

 

WAPPEN VON Sèvres

Französische Wappen: SèvresWenn man weiß, dass die Gemeinde Sèvres nahe des Schlosses von Versaille liegt, wirkt das Wappen mit seinen verschiedenen Elementen historisch noch ein bisschen interessanter. Auch hier haben wir wieder das Hifthorn, diesmal in Gold. Tatsächlich trugen im Mittelalter viele Ritter kostbare goldene Ausführungen dieser Signalhörner über der Schulter. Die Vasen und der Lorbeerkranz, ein klassisches Siegessymbol, drücken Wohlstand und Erfolg aus. Die Holzbrücke verläuft über Wasser, das stilisiert in Silber dargestellt ist. Diese Farbgebung kommt uns ebenfalls vom oberen Wappen bekannt vor.

 

WAPPEN VON Lantosque

Französische Wappen: LantosqueWas fehlt hier? Genau, die Krone der Schöpfung. Wir haben eine Pflanze, ein Tier und ein Bauwerk, aber keinen Menschen. Dabei hat Lantosque nur knapp 1.300 Einwohner, die hätte man fast alle zusammen auf ein Wappen bekommen. Die Blasionierung, das heißt die offizielle Wappenbeschreibung, gibt nicht vor, um was für einen Vogel es sich genau handelt. Nur, dass er golden ist. Es muss ja nicht immer Silber sein.

 

 

Vorschau

 

Voilà, damit wären wir auch durch Frankreich durch. Schön war’s mit all dem Silber, Gold und Hifthorn. Die nächste Episode von „Spaß mit Wappen“ ist den diversen Gegenständen gewidmet, die uns so auf Wappen begegnen, von Werkzeugen über Gefäße bis zu Fahrzeugteilen.

 

Übersicht

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