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Wenn die Nachbarn als Essen vorbeikommen: Santa Clarita Diet

Santa Clarita Diet

Wenn die Nachbarn als Essen vorbeikommen: Santa Clarita Diet

Auch nach 25 Jahren Beziehung kann die bessere Hälfte einen immer noch überraschen, z.B., indem sie plötzlich anfängt, Menschen zu verspeisen. Netflix‘ neuester Geniestreich „Santa Clarita Diet“ zeigt uns das früher ganz normale Makler-Ehepaar Sheila und Joel Hammond aus der gepflegten Vorstadt Santa Clarita, das plötzlich morden muss, als Sheila zum Zombie wird.

 

Die Sonne scheint, das Gras ist grün und die Gehwege sind sauber. Sheila (Drew Barrymore) und Joel Hammond (Timothy Olyphant) leben mit ihrer 16-Jährigen Tochter Abby (Liv Hewson) in einer schönen Gegend. Das Paar verkauft gemeinsam Immobilien und ist seit der Highschool glücklich liiert. Ihr Leben ist nicht perfekt, aber doch gerade ziemlich gut, als das Unfassbare geschieht: Sheila stirbt – und wacht als Untote wieder auf. Dieser neue Zustand bekommt Sheila zunächst richtig gut, nie zuvor war sie so voller Energie, Selbstbewusstsein und Spontanität. Der Tod bringt ihr Leben richtig in Schwung. Es gibt allerdings einen Haken: sie hat einen gewaltigen Hunger nach Menschenfleisch. Nun suchen sie und ihr Mann gemeinsam nach Mitteln und Wegen, diesen Hunger zu stillen und geraten dadurch in eine blutige und groteske Situation nach der anderen. Die erste Staffel, die seit Anfang Februar komplett auf Netflix abrufbar ist, besteht aus 10 Episoden á 30 Minuten.

 

„Santa Clarita Diet“: Die Ereignisse

 

Santa Clarita Diet

Poster zu „Santa Clarita Diet“. Quelle: Netflix

Nachdem Sheila ihren ersten Menschen verspeist hat, gibt es kein Zurück mehr. Auch vor Tochter Abby kann das Paar Sheilas Veränderung nicht geheim halten. Abby sucht daraufhin Rat bei dem gleichaltrigen Nachbarsjungen Eric (Skyler Gisondo), der sich sehr für paranormale Themen interessiert. Unglücklicherweise ist Erics Stiefvater Dan (Ricardo Chavira) ein extrem aufdringlicher und neugieriger Cop, der ein sehr scharfes Auge auf die Nachbarfamilie Hammond hat. Sheila und Joel beschließen, dass sie nur schlechte Menschen um die Ecke bringen wollen, um Sheilas Hunger zu stillen, doch das ist einfacher gesagt als getan. So mancher vermeintlich fieser Kerl ist nämlich gar nicht wirklich schlecht und so mancher tatsächlich übler Kerl ist gar nicht so leicht umzubringen. Letztlich gilt aber: Sheila muss essen, egal wie.

 

Sheila und Joel versuchen nebenbei ihr Familienleben aufrecht zu erhalten und gute Eltern für Abby zu sein. Kein leichtes Unterfangen, wenn halb aufgegessene Leichen in der Badewanne herumliegen. Abby sucht nach ihrem Platz in dieser neuen Realität und hilft ihren Eltern auf ihre Weise, gemeinsam mit Eric, der für Abby gerne mehr wäre als nur ein guter Freund.

 

Joel will die Hoffnung auf eine Heilung für Sheila nicht aufgeben. In einem okkulten Laden findet er Nachdrucke aus einem alten Buch, die andeuten, dass es vor mehreren hundert Jahren in einem serbischen Dorf schon einmal einen Ausbruch einer Krankheit gab, die Sheilas Symptomen entspricht. Er begibt sich auf die Suche nach dem Buch, das leider nicht über Amazon erhältlich ist.

 

„Santa Clarita Diet“: Die Kritik

 

Seit es Netflix gibt, sind viele Serienfans auf Fernsehkanal-Diät, bietet der Streaming-Dienst doch eine ganze Reihe hochinteressanter und origineller Serien, die man sich dazu auch noch jederzeit anschauen kann. Mit „Santa Clarita Diet“ begibt sich Netflix ein weiteres Mal ins Comedy-Genre und nimmt eine riesige Kiste Splatter mit – ohne Deckel (Insiderjoke!). „Santa Clarita Diet“ ist eine erfrischende Mischung aus „The Walking Dead“, „Desperate Housewives“, „Suburgatory“ und unzähligen Familiensitcoms. Dabei zuzusehen, wie das nette Ehepaar von nebenan zu kannibalistischen Serienmördern wird, ist ein grotesker Spaß mit einigen wirklich urkomischen Momenten. Obwohl das Blut reichlich spritzt und nicht gerade wenig geflucht wird, ganz zu schweigen von der großen Menge Erbrochenem, die Sheila bei ihrem „Tod“ hinterlässt, behält die Serie immer ihren leichten Ton bei und ist ganz in satten, sonnigen Farben getaucht. Das ist Irrsinn und darum unterhält es ungemein. Nur empfindlich sollte man als Zuschauer nicht sein.

 

Santa Clarita Diet

Poster zu „Santa Clarita Diet“. Quelle: Netflix

Eine wichtige Komponente jeder Serie sind die Charaktere und die können hier überzeugen. Sheila und Joel sind ein sympathisches Paar, das sich wirklich liebt und diese bizarre Situation gemeinsam durchstehen will. Dabei kommt es zwischen den beiden Ehe- und Berufspartnern immer wieder zu herrlich schrägen Dialogen, an denen man als Zuschauer wirklich seine Freude hat. Ganz normale Alltagsfragen werden hier mit Themen wie der Verarbeitung von Körperteilen und der Beseitigung der „Reste“ verknüpft, was einfach herrlich absurd ist. An gutem, slapstickhaftem Humor mangelt es ebenfalls nicht, z.B., wenn Sheila versucht, einen dreimal so schweren Drogendealer zu überwältigen. Sheila und Joel schaffen es, süß und liebenswert zu wirken, während sie Menschen töten, zerstückeln und verspeisen. Die Grenze zum Unangebrachten wird immer wieder touchiert, aber nicht wirklich überschritten.

 

Auch die beiden Teenager-Charaktere Abby und Eric sind angenehm unnervig. Sie versuchen das beste aus der Situation zu machen und entwickeln eine niedliche Freundschaft. Sie sind in einigen Situationen tatsächlich hilfreich und nicht – wie so oft in Film und Fernsehen – diejenigen, die eine Situation für die Erwachsenen immer nur komplizierter machen. Sie tragen wesentlich zum Unterhaltungsfaktor bei.

 

„Santa Clarita Diet“: Das Fazit

 

Für den Standard-Comedyfan dürfte die neue Netflix-Serie „Santa Clarita Diet“ wohl zu viel Splatter beinhalten, aber wer es durchaus grotesk mag, kommt auf seine Kosten. „Santa Clarita Diet“ ist unterhaltsam, originell und auf absurde Weise sympathisch.

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