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Pistol Pete und seine Freunde

Maskottchen

Pistol Pete und seine Freunde

In den USA bildet der Universitätssport den wichtigen Unterbau für die Profiligen, sei es im Bereich Mannschaftssport oder in der Leichtathletik. Ein wesentlicher Bestandteil des Universitätssports ist dabei – das wissen wir aus unzähligen Filmen und Serien – das Maskottchen. Viele US-Colleges haben für ihre diversen Sportmannschaften ein eigenes Maskottchen, das ein Aushängeschild sein soll, aber manchmal auch zum Problemfall wird. Oder zum Werbestar.

 

In Deutschland ist uns das Phänomen der Maskottchen im Sport natürlich auch nicht fremd, aber in einem doch etwas kleineren Rahmen. Die ellenlange Liste an amerikanischen College-Maskottchen liest sich wie das Who is Who der Kostüme, wie eine bunte, plüschige Parade des Nonsens und der Klischees. In diese Kostüme zwängen sich Menschen, die dafür mal mehr und mal weniger Talent und Temperament besitzen. Echte Tiere als Maskottchen gibt es freilich auch, gelegentlich leisten sich Universitäten beide Varianten, eine kostümierte Version für die Show und ein reales Tier als Glücksbringer. Im Folgenden geht es hauptsächlich um die kostümierten Maskottchen, in denen Menschen stecken – glücklicherweise, denn einige Ereignisse wären sonst richtig hässlich geworden. Viele College-Maskottchen haben bereits eine lange Tradition mit diversen Kapiteln von Erfolgen und Misserfolgen. Sie feuern nicht nur Teams an, sie stehen selbst im Wettbewerb untereinander. So gibt es die Mascot National Championships und sogar eine Mascot Hall of Fame.

 

Die Geschichte von Pistol Pete

 

Pistol Pete

Frank Eaton, der echte Pistol Pete.

Seit den 1950er Jahren bildet Pistol Pete das Logo der New Mexico State University (MSU) und ist mittlerweile auch das Maskottchen der Football-, Volleyball- und Basketballteams des Colleges. Diese Figur – ein Mann mit Cowboyhut, Weste, Lederschutz, Schnauzbart und wirbelnden Pistolen – soll den Cowboy-Spirit und die alte Western-Tradition der in Las Cruces beheimateten Universität widerspiegeln. Pistol Pete basiert dabei auf einer realen Person, auf Frank „Pistol Pete“ Eaton, einen Deputy U. S. Marshal, der als Teenager damit begann, die Mörder seines Vaters zu jagen und zur Strecke zu bringen. Eine raue Heldengeschichte ganz im Stile des alten Amerikas. Dazu passend entwickelte sich ein Maskottchen-Duell zwischen der Mexico State University und der Oklahoma State University (OSU), die ebenfalls durch einen Pistol Pete repräsentiert wird. Man einigte sich schließlich noch vor High Noon schiedlich friedlich miteinander auf spezielle Konditionen. Die MSU zahlt jährlich 10 Dollar an die OSU, was im Wilden Westen eine nicht unerhebliche Summe gewesen wäre.

 

Im Jahr 2005 wuchsen an der MSU jedoch Zweifel am Cowboy-Spirit oder zumindest an dem Teil des Cowboy-Spirits, der Schusswaffengebrauch beinhaltet. In dem Bemühen, der Uni einen familienuntauglicheren Anstrich zu geben, wurde Pistol Pete zweifach entwaffnet. Seine Schießeisen wurden durch ein Lasso ersetzt und sein Name zu Pete verkürzt. Diese Entscheidung erwies sich als marketingtechnischer Super-GAU. Aktuelle und ehemalige Studenten, aber auch Außenstehende, kritisierten die Umgestaltung heftig. Auf dem Campus wurde ein T-Shirt mit der Aufschrift „Who Brings a Lasso to a Gunfight?“ („Wer kommt mit einem Lasso zu einer Schießerei?“) zum Verkaufsschlager. Als wäre das nicht schon schlimm genug, wurde der neue Pete von seinen Gegnern auch noch spöttisch in Lasso Larry umgetauft.

 

Die Verantwortlichen erkannten, dass die Entwaffnung von Pete ein Schuss in den Ofen war und vollzogen die Rolle rückwärts. Ab 2007 trat Pistol Pete wieder mit Waffen und Beinamen auf. Dass die Person im Kostüm schon mal vergisst, nicht mehr im Wilden Westen zu sein, hat aber wohl weniger mit dem Kostüm an sich zu tun. 2009 wurde Pistol Pete für ein Spiel der Männer-Basketballmannschaft gesperrt, da er sich mit Big Blue, dem Maskottchen der Utah State University, gezofft hat. Big Blue ist übrigens ein Mensch in Bullenkostüm.

 

Maskottchen gone Wild

 

Ausflippende Maskottchen sind nicht die Regel, aber auch keine absolute Seltenheit im amerikanischen College-Sport. Vielleicht liegt es an der aufgeheizten Stimmung, die bei so einem Sportevent schon mal entstehen kann, oder einfach daran, dass die Personen in den Kostümen oft selbst Studenten und somit noch recht jung sind. Im Jahr 2010 sorgte Rufus the Bobcat, das Maskottchen der Ohio University, bei einem Footballspiel gegen das Team des Stadtrivalen Ohio State University für einen Eklat. Brandon Hanning in der Rolle von Rufus the Bobcat stürzte sich auf Brutus Buckeye, das Maskottchen des Kontrahenten, und musste vom Sicherheitspersonal weggezerrt werden. Wie Hanning, der danach seines „Amtes“ als großer Plüsch-Luchs enthoben wurde, später angab, war er überhaupt nur Maskottchen für seine Universität geworden, um den weithin bekannten und beliebten Brutus Buckeye umzunieten. Man kann durchaus verschiedene Ziele im Leben haben. Die einen wollen schwere Krankheiten heilen, die anderen unbedingt mal einen Typen umreißen, der wie eine Riesenkastanie kostümiert ist.

 

Drei Jahre zuvor hatte sich The Oregon Duck, das an Donald Duck angelehnte Maskottchen der University of Oregon, bei einem Footballspiel auf das

Fighting Duck

The Oregon Duck (2010)

Puma-Maskottchen Shasta der University of Houston gestürzt. Offenbar fühlte sich der Student im Entenkostüm von seinem Gegenüber durch dessen Showeinlagen, die denen der Ente glichen, provoziert. Der seltsame Kampf zwischen Ente und Puma, den man in der Natur doch eher selten sieht, vor allem nicht mit der Ente als Angreifer, wurde zu einem viralen Hit auf Youtube. The Oregon Duck, Spitzname übrigens Fighting Duck (!), durfte beim nächsten Match seines Footballteams nicht auftreten. Welche Konsequenzen der Vorfall für den Darsteller hatte, ist nicht bekannt.

 

2007, im gleichen Jahr wie der Oregon-Duck-Vorfall, spielte noch ein anderes verkleidetes Federvieh verrückt, das Hahn-Maskottchen Chanticleer der Coastal Carolina University. Chanticleer griff Duke Dog, das Bulldog-Maskottchen der James Madison University (Virginia), am Rande eines Sportevents an. Bei der Auseinandersetzung zwischen den komisch kostümierten Studenten ging auch ein Polizist zu Boden, der die beiden Streithähne, von denen einer freilich ein Hund war, trennen wollte.

 

In diesen drei Fällen wurde keiner der beteiligten Personen verletzt. Die Rolle des Maskottchens birgt aber durchaus ihre Risiken. 2013 wurde Bully, das Maskottchen der Mississippi State University, von einem Kamerawagen des Sportsenders ESPN angefahren. Der Student in dem Bulldog-Kostüm erlitt dabei schwere Knochenbrüche und musste zweimal operiert werden. Er verklagte ESPN und die Universität auf 75,000 Dollar. Der „echte“ Bully, eine leibhaftige Bulldogge, die ebenfalls bei Spielen mit dabei ist, wurde nicht verletzt.

 

Beinahe berühmt

 

Maskottchen

Brutus Buckeye (2006)

Das erwähnte Angriffsopfer Brutus Buckeye ist ein Beispiel für ein Maskottchen, das eine nicht unerhebliche eigene Fanbasis hat und sich einer gewissen Berühmtheit erfreut. Bei Brutus Buckeye handelt es sich um eine Figur mit dem Unterkörper eines Menschen und einer großen Kastanie (engl. Buckeye) als Kopf, in Anlehnung daran, dass die Kastanie der offizielle Nationalbaum des Staates Ohio ist. Brutus Buckeye existiert seit 1965. Der Vorname Buck war eine Idee des damaligen Studenten Kerry J. Reed, der zumindest in Ohio damit seit über 50 Jahren seine 15 Minuten Ruhm erlebt. Brutus Buckeyes Vita umfasst Auftritte in „The Daily Show“ neben Jon Steward, in Werbespots für örtliche Firmen und in Football-Videospielen. Nicht schlecht für eine Kastanie.

 

Was Preise und Ehrungen angeht, kann es Brutus Buckeye aber nicht mit Aubie, dem Maskottchen der Auburn University in Alabama aufnehmen. Aubie, ein Tiger, ist bekannt für seine Showeinlagen, etwa das Herumdüsen auf einem Moped. Unnötig zu erwähnen, dass es ihn nur als Mensch-im-Kostüm gibt. Echte Tiger sind grauenvolle Fahrer. Aubie ist Rekordsieger der Mascot National Championships und befindet sich seit 2006 in der Mascot Hall of Fame.

 

Häufig präsent in den US-Sportmedien ist auch Hairy Dawg, das Maskottchen der University of Georgia. Bei diesem handelt es sich um eine kostümierte Bulldogge. Hairy Dawg war bereits in einer Vielzahl von Spots des Sportsenders ESPN zu sehen. Besser als umgefahren zu werden.

 

Bildnachweis

 

  • The Oregon Duck, Foto von John Martinez Pavliga via Flickr (CC BY 2.0)
  • Brutus Buckeye, Foto von Brett T. Burch (CC By 3.0)
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