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Unnützes Wissen, Part 3

Unnützes Wissen, Part 3

All die Dinge, die im vergangenen Monat wichtig waren, finden sich hier nicht. Stattdessen gibt es wieder einen fröhlichen Schwung Fakten, die ich im abgelaufenen Oktober einfach mal so unter die Leute gebracht habe, ohne irgendeinen nennenswerten Zusammenhang. Mit dabei: Filme, Krähen, Eishockey und ein Dom.

 

Eine Befragung würde ergeben, dass 88% aller Schüler der Meinung sind, den Stoff, den sie gerade büffeln müssen, für ihr zukünftiges Leben absolut nicht zu brauchen. Vielleicht sind es auch mehr oder weniger als 88%, in Prozentrechnung war ich nie gut, da ich dachte, dass ich das für mein späteres Leben nicht brauchen werde. Wie hoch ist die Anwendbarkeit von Wissen wirklich? Was nützen mir die Inhalte aus dem Erdkundebuch der 8. Klasse in einem wie auch immer gearteten Notfall? Wenn schon von Fachkräften als nützlich eingestuftes Wissen oft nicht wirklich anwendbar erscheint, wie verhält es sich dann mit unnützem Wissen, das Schulen gar nicht erst auf dem Lehrplan haben?  Schauen wir doch mal, was die wahren, aber sinnlosen Informationen aus dem Oktober in konkreten, gleichwohl speziellen Lebenssituationen bringen könnten. Oder eben nicht bringen.

 

Unnützes Wissen 18 – 26

18
In Deutschland werden etwa 700 verschiedene Arten von Birnen angebaut. Weltweit gibt es ca. 3000 verschiedene Sorten der Frucht, die den Menschen schon seit prähistorischen Zeiten als Nahrung dient.

Birne am BaumWas nützt mir diese Information, wenn ich auf einer einsamen Insel gestrandet bin? Wenn auf besagter Insel Bäume wachsen, an denen Früchte hängen, die wie Birnen aussehen, ist die Chance, dass sie tatsächlich essbar sind, offenbar ziemlich hoch. Das ist doch grundsätzlich nett zu wissen. Überhaupt scheint es für Menschen, die gerne solche Art von Reisen unternehmen, die eventuell dazu führen könnten, dass sie unfreiwillig in einer Robinson-Crusoe-Gedächtnissituation landen, durchaus sinnvoll zu sein, sich mit der Essbarkeit von Früchten, Wurzeln, etc. zu befassen.

 

19
Die Banggai-Krähe wurde für ausgestorben gehalten, bis sie 2007 auf dem Banggai-Archipel wiederentdeckt wurde. Ihre Population wird auf 500 Individuen geschätzt.

Was nützt mir dieses Wissen bei einem Hausbrand? Keine Situation ist vollkommen hoffnungslos. Wenn die Banggai-Krähe nicht ausgestorben ist, obwohl es den Anschein hatte, dann geht vielleicht auch der Brand glimpflicher aus als es zunächst wirkt. Gut, oder?

 

20
Als Hedonophobie wird die Angst, Freude zu empfinden, bezeichnet. Sobald Menschen, die unter diesem Krankheitsbild leiden, Spaß haben und sich glücklich fühlen, brechen Symptome wie Atemnot, starkes Schwitzen oder Angstzustände aus.

Was nützt mir diese Info, wenn ich in einem Fahrstuhl feststecke? Wenn man in einem streikenden Fahrstuhl gefangen ist und plötzlich heftige Atemnot bekommt sowie mit Panikattacken zu kämpfen hat, weiß man zumindest, dass es kein Anfall von akuter Hedonophobie ist, denn wer hat schon Spaß in einer solchen Situation?

 

21
Der französische Western „La Terreur de la pampa“ aus dem Jahr 1932 ist nur 40 Minuten lang und wurde nie in Deutschland gezeigt.

WesternWas nützt mir dieser Fakt in einem mies laufenden Bewerbungsgespräch? Einfach mal den Spieß umdrehen. Wer keine Antworten hat und dadurch bescheiden dasteht, stellt selbst Fragen, die den Gegenüber aus dem Konzept bringen. „Kennen Sie eigentlich den Film La Terreur de la pampa“? Nicht vergessen, bei der Aussprache des Titels einen deutlichen französischen Akzent zu nutzen! „Sie sind wohl nicht vertraut mit dem französischen Kino der 1930er Jahre?!“. Mit Sicherheit geht der Schuss nach hinten los, aber was hat man noch zu verlieren?

 

22
Algier, die Hauptstadt von Algerien, unterhält unter anderem Städtepartnerschaften mit New York (USA), Izmir (Türkei), Marseille (Frankreich) und Dakar (Senegal). Mit einer deutschen Stadt ist Algier bislang nicht verpartnert.

Was nützt mir diese Info, wenn mal wieder nichts im Fernsehen läuft? Kommt darauf an: Haben Sie Netflix? Wenn nicht, dann wäre es zu einem langweiligen, schlechten Fernsehprogramm zumindest eine Alternative, darüber nachzudenken, welche deutsche Stadt sich wohl als Partner für Algier eignen würde. Wahlweise kann man sich auch Gedanken darüber machen, warum die Hauptstadt von Bulgarien nicht Bulgier heißt.

23
Ak Bars Kasan ist ein russischer Eishockeyklub, der in der höchsten Liga des Landes spielt. Das Logo des Vereins zeigt einen Schneeleoparden.

Was nützt mir dieses Wissen, wenn das Auto nicht anspringt? Das ist jetzt schwer. Während man auf den Abschleppdienst wartet, kann man natürlich über russisches Eishockey nachdenken. Besonders, wenn das Auto mitten im Winter nicht anspringt – und das tut es ja öfter mal nicht – liegt das Thema durchaus nahe.

 

24
„Der blaue Regenschirm“ ist ein siebenminütiger Animationsfilm aus den USA, der 2013 als Vorfilm zu „Die Monster Uni“ lief. Für Drehbuch und Regie zeichnete sich der Deutsche Saschka Unseld verantwortlich.

Was nützt mir diese Info bei der praktischen Fahrprüfung? Wenn die eigenen Fahrkünste nicht besser sind als die Navigationsfähigkeiten eines blauen Regenschirms im Wind, bietet es sich an, den Fahrprüfer mit total unwichtigen Fakten abzulenken. Vielleicht passt er ja ein paar kritische Momente nicht auf.

 

25
Die Bisamratte gilt als Haupt-Fressfeind der großen Süßwassermuscheln, deren Bestand in Europa und Asien bedroht ist.

Fressfeind der SüßwassermuschelWas nützt mir dieses Wissen bei einem Stromausfall? Es war mit großer Sicherheit keine Bisamratte, die den Stromausfall verursacht hat, es sei denn, ihr schmückt eure Kabel mit Süßwassermuscheln, was deren Bestand auch nicht gerade fördert. Die Bisamratte gehört übrigens zur Familie der Wühlmäuse und stammt eigentlich aus Nordamerika. Sie ist, wie man so schön sagt, in andere Regionen wie z.B. Europa „eingeschleppt“ worden. Dass die Leute aber auch immer Souvenirs mitbringen müssen …

26
Der Freiberger Dom hat sechs Kirchenglocken. Die Älteste entstand 1488 und wird Große Susanne genannt. Sie ist an den hohen Feiertagen im Jahr zu hören.

Was nützt mir diesen Wissen, wenn ich gegen einen Sechsjährigen beim Memory verliere? Sorry, aber eine solche Blamage lässt sich mit keinem Wissen der Welt abmildern.

 

2 Comments
  • Christina

    Große Susanne??? 😀 😀 Sehr dubios – da kann man ja nur vermuten, dass der humorvolle Namensgeber seiner Freundin Susanne eine Freude machen wollte oder einfach nur aller Welt stolz mitteilen wollte, dass seine Angebetete große Glocken hat…wer weiß!

    2. November 2016 at 3:03 Antworten
    • Maret Hosemann

      Ob die im 15. Jahrhundert schon so über Glocken gedacht haben? Im stillen Kämmerlein vielleicht …

      2. November 2016 at 8:44 Antworten

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