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Sava Savanović. Der Vampir von der Mühle

Wassermühle

Sava Savanović. Der Vampir von der Mühle

Der Vampirmythos hat einen Repräsentanten, von dem jeder schon einmal gehört hat, auch diejenigen, die sich den „Twilight“-Filmen und „Vampire Diaries“ dieser Welt verweigern: Graf Dracula. Der Obermufti unter den Blutsaugern scheint in seiner Popularität konkurrenzlos, bis man einen genaueren Blick nach Serbien richtet.

 

Im serbischen Volksglauben gibt es einen Vampir, der angeblich als erster seiner Art überhaupt die Welt unsicher machte. Sein Name war Sava Savanović und er arbeitete im Dorf Zarožje als Müller. Was war Graf Dracula eigentlich von Beruf? Nur Graf? Na gut, Sava Savanović war als Müller nun auch nicht sehr produktiv, da er die Menschen, die in seiner Mühle Getreide mahlen wollten, auszusaugen pflegte.

 

Mordversuch durch Vampir

 

Eine Legende besagt, dass das Dorf Zarožje im Jahr 1780 einen Bürgermeister namens Živan Vujić hatte, dessen Tochter Radojka in einen bosnischen Reisenden mit dem Namen Strahinja Đilas verliebt war. Dem Bürgermeister gefiel die Aussicht auf einen mittellosen Bosnier als Schwiegersohn so gar nicht, daher schmiedete er den finsteren Plan, den jungen Mann zur Mühle zu schicken, damit Sava Savanović das Problem blutig löste. Strahinja durchschaute die Pläne seines Schwiegervaters in spe jedoch und bastelte eine Holzpuppe, der er seine Kleider anzog. Der Vampir ließ sich täuschen und verbiss sich in die trockene Holzpuppe statt in den saftigen Strahinja. Dieser zog daraufhin eine Waffe und schoss auf den Vampir. Sava Savanović sprach: „Ich gehe seit hundert Jahren niemals ohne Abendessen von hier weg. Aber diesmal gehe ich ohne Abendessen“ und verschwand. Aus seinem Herzen flog ein Schmetterling davon. Seine Seele? Wenn es nicht so morbide gewesen wäre, hätte das sicher hübsch ausgesehen.

 

Mit der Kraft des Weißdorns

 

Sava Savanović. Der Vampir von der Mühle: WeißdornAngeblich wurde Sava Savanović schließlich von den Bewohnern von Zarožje zur Strecke gebracht, angeführt von der ältesten Großmutter des Dorfes. Diese verkündete, dass der Vampir dort zu finden sei, wo ein schwarzes Pferd mit den Hufen aufstampft. Dann müsse man einen Weißdorn-Pfahl in das Herz des Vampirs stoßen. Schwarzes Pferd, weißer Dorn, alles klar. Ob es nun funktioniert hat, darüber lässt sich streiten, schließlich werden im Dorf Zarožje, das zur Gemeinde Bajina Bašta gehört, bis heute seltsame Vorkommnisse gerne dem Vampir zugeschrieben. Eine alte Mühle am Fluss Rogačica soll die des Vampirs sein und gilt als kleine Touristenattraktion. Denoch ließ man sie verfallen. Aus „Angst“ vor dem Vampir? Um des Effekts willen? Aus Kostengründen? 2012 stürzte die Mühle ein, woraufhin die Gemeindevertretung von Bajina Bašta sogar eine Mitteilung herausgab, die vor einem sicher nun mächtig angefressenen Sava Savanović warnte. Ob dies echtem Vampirglauben der Bürger oder eher PR-Zwecken geschuldet war, bleibt an dieser Stelle offen. Vielleicht ein bisschen von beidem. Kann Sava Savanović eigentlich lesen?

 

Vampire kommen und gehen

 

Die Legende von Sava Savanović, dem Vampir von der Mühle, wurde erstmals im 19. Jahrhundert niedergeschrieben. Ihre Entstehungszeit wird auf das 17. Jahrhundert geschätzt. Die Theorie von blutsaugenden Untoten gab es in Serbien aber schon im 14. Jahrhundert. Dies belegt ein Passus im Gesetzbuch des serbischen Zaren Stefan Uroš IV. Dušan aus dem Jahr 1349. Über die Jahrhunderte hat sich der Vampirmythos hartnäckig gehalten, aber so romantisiert wie heute wurde er früher nicht. Die Menschen konnten sich viele natürliche Phänomene einfach noch nicht erklären und flüchteten sich daher in Mythen.

 

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2 Comments
  • Alice Wunder

    Ein Serbe hat mir hat mir tatsächlich mal erzählt, die Vampire kämen ureigentlich aus seiner Heimat, Herr Tsepes aus Rumänien habe nur das Pfählen zur Legende beigetragen. Dieser Schulfreund, bleich und sehr begabt im Schachspiel, begründete das sogar: Wie viele Fürstenhäuser früher heirateten auch die serbischen gerne nahe Verwandte. Als orthothoxes Reich inmitten von Osmanen wurde diese Praxis sogar zur besonderen Staatsdoktrin erhoben. Daraus wiederum resuliterte die Häufung einer besonderen Anämie, die adeligen Patienten sind dann wohl sehr lichtscheu und entwickeln einen Appetit auf frisches Blut, um Hämoglobin- und Eisenmangel auszugleichen…

    23. März 2016 at 17:41 Antworten
    • Maret Hosemann

      Ich denke, der Vampirmythos, wie wir ihn heute kennen, vereint in sich Elemente aus verschiedenen Kulturen Europas. Serbien ist da definitiv mit in der Verlosung.

      23. März 2016 at 20:06 Antworten

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