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Die unbekannten Präsidenten

Die unbekannten Präsidenten

Die USA bestimmen in diesem Herbst 2016 einen neuen Präsidenten und liefern der Weltöffentlichkeit seit Monaten ein großes Spektakel, das zwischen Wahlkampf und Schlammschlacht ein breites Spektrum an Kriegsmetaphern abdeckt. Nicht nur der europäische Kontinent schaut nervös-gespannt über den großen Teich, wenn die US-Bürger im November entscheiden, wer in Zukunft auf Pantoffeln durch das Weiße Haus schlendern und den Schlüssel zur größten Wirtschafts- und Militärmaschinerie dieses Planeten in Empfang nehmen darf.

 

Wir erinnern uns alle noch recht gut an US-Präsidenten wie George Bush, Bill Clinton, den anderen Bush und selbstverständlich den Noch-Amtsinhaber Barack Obama. Namen wie Richard Nixon, Gerald Ford, Jimmy Carter und Ronald Reagan sind uns ebenfalls ein Begriff und sei es nur aus diversen Filmen und „Simpsons“-Episoden. Dann wären da noch die großen Legenden unter den US-Staatsoberhäuptern: George Washington, der erste Präsident der USA, Abraham Lincoln, der die Sklaverei abgeschafft und einen atemberaubenden Hut getragen hat, Franklin D. Roosevelt, der die USA durch den Zweiten Weltkrieg führen musste, und John F. Kennedy, in dessen Amtszeit viele historische Ereignisse fielen und der wegen vielem, das nichts mit Politik zu tun hatte, zum Mythos wurde. Es gab aber noch wesentlich mehr US-Präsidenten als die genannten. Auch das waren Männer, die einmal an der Spitze standen, an die sich aber heute kaum jemand erinnert und mitunter auch gar nicht mehr erinnern will.

 

William Henry Harrison: Der Kurzzeitige

 

Unbekannte und unbeliebte US-Präsidenten: William Henry Harrison

William Henry Harrison

Ein Monat ist eine lange Zeit, um auf ein vorbestelltes Videospiel oder auf den Beginn der Ferien zu warten, nicht aber, um ein Land zu regieren. William Henry Harrison wurde 1841 im Alter von 67 in das Amt des Präsidenten der USA gewählt und starb 30 Tage später an einer Lungenentzündung. Es hält sich die Legende, dass er sich besagte Lungenentzündung bei seiner Antrittsrede zugezogen hat, die mit zwei Stunden länger dauerte als die jedes Präsidenten vor oder nach ihm. Sollte Donald Trump demnächst zum US-Präsidenten gewählt werden, könnte dieser Plapper-Rekord allerdings locker fallen. Der Mann kann und will einfach nicht den Mund halten! Aber zurück zu W.H. Harrison. Mit der längsten Antrittsrede und der kürzesten Amtszeit im Weißen Haus – seiner Frau blieb nicht einmal genug Zeit, von Ohio nach Washington D.C. umzuziehen – hat er sich zwar kuriose Rekorde erarbeitet, aber als Präsident keinerlei Bedeutung erlangt. Die Familie Harrison ließ sich davon freilich nicht beirren und wollte unbedingt ins Weiße Haus zurück. William Harrrisons Enkel Benjamin Harrison wurde einige Jahrzehnte später der 23. Präsident der USA, allerdings weiß das heute auch kaum einer mehr.

 

John Tyler: Der Unbedeutsame

 

William Harrisons direktem Nachfolger im Amt, John Tyler, erging es in Bezug auf Anerkennung nicht viel besser als dem Ein-Monats-Präsidenten. Ein halbes Jahrhundert später wurde er von einem seiner Nachfolger, Theodore Roosevelt, als  „a politician of monumental littleness“ („Ein Politiker von monumentaler Unbedeutsamkeit“) bezeichnet. Tyler war der erste Vizepräsident, der in das Präsidentenamt nachrückte, und schuf damit einen Präzedenzfall, viel mehr als das wird ihm aber von der Geschichtsschreibung nicht zuerkannt. Während seiner Amtszeit 1841 bis 1845 wurde er aus seiner eigenen Partei, der United States Whig Party, ausgeschlossen,  da er deren Zielen zuwider handelte. Seine Politik gegen die Stärkung des Bundes und für die Souveränität einzelner Staaten verschärfte am Vorabend des Bürgerkrieges den Nord-Süd-Konflikt. Er war ein Präsident ohne Partei und ist es mehr als 150 Jahre nach seiner Amtszeit irgendwie immer noch: keiner interessiert sich für ihn.

 

Franklin Pierce: Der Erfolglose

 

Gescheiterter US-Präsident: Franklin Pierce

Franklin Pierce

Franklin Pierce sitzt selten in der ersten Reihe, wenn die amerikanische Geschichte gespielt wird. Der 14. Präsident der Vereinigten Staaten, der von 1853 bis 1857 im Amt war, verkörpert etwas, das Amerikaner nicht so sehr schätzen, schon gar nicht im Zusammenhang mit ihrer eigenen Geschichte: Erfolglosigkeit. Pierce‘ Haltung in der Sklavenfrage führte zu heftigen Konflikten in der Bevölkerung. Als er einen Gesetzentwurf genehmigte, der die weiße Bevölkerung in Kansas selbst darüber entscheiden lassen sollte, ob sie die Sklaverei zulassen oder nicht, löste er damit einem Grenzkrieg aus, der auch als „Bleeding Kansas“ bezeichnet wird. Heute gelten diese Kämpfe in Kansas als Vorboten des Bürgerkrieges. Auch außenpolitisch machte Pierce keine gute Figur und brachte die USA an den Rand einer militärischen Auseinandersetzung mit Spanien um die Hoheit über Kuba. An dieser Stelle spare ich mir einfach mal einen weiteren Fingerzeig Richtung Donald „Trompete“ Trump. Pierce war am Ende der ersten Amtsperiode kaum noch tragbar und wurde nicht für eine zweite Amtszeit nominiert. Er verfiel danach dem Alkohol und starb 1869 an einer Leberzirrhose.

 

James Buchanan: Der Unglückliche

 

Nach dem gescheiterten Pierce konnte sein Nachfolger doch eigentlich nur glänzen. Richtig? Falsch! James Buchanan, der auf Franklin Pierce folgte, agierte ebenfalls wenig glücklich in der spaltenden Sklavenfrage. Als es Spitz auf Knopf stand, reagierte er zu unentschlossen, um das Land zusammenzuhalten. Nur einen Monat nach Ende seiner Amtszeit brach der amerikanische Bürgerkrieg aus. Viele Historiker bewerten Buchanan als einen schwachen Präsidenten, dessen Versagen bei der Verhinderung des Bürgerkrieges der größte Fehler eines US-Präsidenten überhaupt ist.

 

Rutherford B. Hayes: Der Umstrittene

 

Die Präsidentschaftswahl von 1876 lief alles andere als rund. Zunächst schien Rutherford B. Hayes Gegner Samuel J. Tilden als Sieger festzustehen, doch die Wahlergebnisse einiger Bundesstaaten weckten Misstrauen. Eine Schiedskommission entschied sich schließlich für Hayes als Wahlsieger, was ein Brodeln in der Bevölkerung auslöste. Hayes wurde daher zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit vereidigt. Während seiner Amtszeit sah sich Hayes mit einigen innenpolitischen Krisen konfrontiert und ließ unter anderem einen Streik der Eisenbahnarbeiter blutig niederschlagen. Er konnte auch nicht verhindern, dass trotz Abschaffung der Sklaverei die Rechte der schwarzen Bevölkerung massiv beschnitten wurden. Heute taucht er in Ranglisten der US-Präsidenten zumeist erst in der unteren Hälfte auf. Von einem seiner Zeitgenossen, dem Historiker Henry Adams, wurde Hayes als „drittklassiges Nichts“ tituliert, „dessen einzige Empfehlung ist, dass er für niemanden anstößig ist“.

 

Alles über die amerikanischen Präsidenten

 

Wer die unbekannten bzw. ungeliebten US-Präsidenten besser kennen lernen will, dem seien zwei Bücher ans Herz gelegt:

 

  • Friehs, Barbara: Die amerikanischen Präsidenten: Von George Washington bis Barack Obama
  • Mauch, Christof: Die amerikanischen Präsidenten: 44 historische Portraits von George Washington bis Barack Obama

 

Oder folgende Links:

 

 

Anmerkung
Dieser Beitrag wurde aktualisiert. Er erschien ursprünglich am 24. Februar 2016.
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