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Urlaub in Hooksiel, Part 4: Regionalgeschichte

Hooksiel Geschütz

Urlaub in Hooksiel, Part 4: Regionalgeschichte

Als Kind, ich war so etwa neun Jahre alt, habe ich im Urlaub in Dänemark Schach gelernt. Damit kam der Fehler in die Matrix. Urlaub bedeutet für mich seit dem auch, sich Wissen anzueignen und sich mit Dingen zu beschäftigen, die eher weniger unter das Kapitel „Supersommerspaß“ fallen.

 

Geschichte war natürlich sowieso schon immer eine Schwäche von mir. Wenn mir also an diesen Orten, die ich zum ersten Mal in meinem Leben besuche, Statuen, Gedenktafeln oder auch alte Grabsteine auffallen, dann will ich schon mehr darüber wissen und fotografiere diese historischen Zeugnisse ganz gerne. Man kann die Kombination Strandfoto, Strandfoto, verwitterter Grabstein, Strandfoto, schwere Artillerie, Strandfoto in meinem Bildspeicher eigenartig finden, aber ich habe ja schließlich nicht explizit nur Sand und Meer gebucht. Ich überlege mir gerade, dass so eine frei nach meinem Geschmack gestaltete Reisebroschüre auf jeden Fall Eindruck hinterlassen würde …

 

Adelheid

 

Robbenfänger Adelheid

 

Knapp einen Kilometer westlich von Hooksiel liegt das kleine Dorf Pakens mit der ev. luth. Kirche zum Heiligen Kreuz, die zur Pfarrgemeinde Hooksiel gehört. Der Badeseeort Hooksiel lässt die Kirche also im Dorf … nebenan. Es ist eine sehr schöne, alte Kirche aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Im Inneren war ich etwas überrascht ein Schiffsmodell zu finden, das bestimmt so manchem Sammler vor Neid das Salzwasser in die Augen treibt. Das an der Wand angebrachte Modell ist aber nicht einfach nur maritime Deko, sondern erinnert an ein Schiffsunglück aus dem 19. Jahrhundert. Am 23. April 1848 lief der Hooksieler Robbenfänger „Adelheid“ vor der norwegischen Insel Jan Mayen auf ein Riff und sank. Dabei starben 18 der Seeleute, darunter drei gebürtige Hooksieler. Neun Menschen, einschließlich des Kapitäns, konnten gerettet werden. Tiefe Spuren in der deutschen Seefahrtsgeschichte hat dieses Ereignis nicht hinterlassen, man kann so gut wie nichts darüber nachlesen, aber das zeichnet Regionalgeschichte schließlich aus. Man findet sie in der Region und nicht bei Google.

 

 

Dänenabwehr

 

Geschichte Hooksiel: Geschütz

 

Die späten 40er Jahre des 19. Jahrhunderts waren wirklich eine bewegte Zeit für die Hooksieler. Im Jahr nach dem Untergang der Adelheid wurde die Küste Niedersachsens von dänischen Kriegsschiffen bedroht, die kleinere Raubzüge unternahmen. Als Reaktion darauf wurde ein Truppenaufgebot mit 2 Geschützen in Hooksiel stationiert. Eines der Geschütze steht noch heute dort, nahe des Alten Hafens. Die Probleme mit den Dänen haben sich freilich inzwischen erledigt und anders als noch 1849 haben die umliegenden Häuser jetzt Satellitenfernsehen. Wir leben in glorreichen Zeiten.

 

Kapitän Hegemann

 

Geschichte Hooksiel: Kapitän Hegemann

 

Der nachweislich und geprüft coolste Hooksieler aller Zeiten hieß Hegemann. Seinen Vornamen scheint man vergessen zu haben, sofern dieser nicht „Kapitän“ lautete. Nein, keine Angst, ein bisschen Recherche enthüllt, dass der gute Mann den dreifachen Vornamen Paul Friedrich August trug. Nach ihm ist in Hooksiel auch eine Straße benannt. Sein Geburtshaus liegt mitten in der Innenstadt; die Eisscholle hat er nicht behalten.

 

Gedenken

 

Geschichte Hooksiel: Friedhof Pakens

 

In Pakens, Sengwarden, Sillenstede und den anderen Ortschaften um Hooksiel gibt es teilweise sehr alte Friedhöfe mit verwitterten, aber einstmals aufwendig gestalteten und mit interessanten Inschriften versehene Grabsteine. Ich bin nicht außergewöhnlich morbide veranlagt und fühle mich nicht wohl auf Friedhöfen, aber ich sehe sie als historische Quellen. Sie geben Einblicke in die Vergangenheit, erinnern an Namen, Geschichten und Orte. Ich fotografiere keine Grabsteine, die nicht mindestens 70 Jahre alt sind, auch aus Respekt gegenüber den Angehörigen.

 

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