Die ganze Welt ist nur ein Smart House: „Tau“

Netflix Tau

Die ganze Welt ist nur ein Smart House: „Tau“

Auch wenn uns Streamingdienste regelrecht dazu einladen, von Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang Serien und Filme zu konsumieren, hat der neue Netflix“-Film „Tau“ nichts mit den feinen Wassertröpfchen am Morgen zu tun. TAU ist eine künstliche Intelligenz und eine der Hauptpersonen in dem gleichnamigen Sci-Fi-Thriller, der seit Juni 2018 abgerufen werden kann. Womit wir bereits an einer der großen Fragen des Films rühren: Ist TAU eine Person?

 

Das Thema der künstlichen Intelligenz, kurz KI, beschäftigt uns zunehmend, da wir heute in der Lage sind, Maschinen immer „smarter“ zu machen, was eine recht harmlose Umschreibung dafür ist, dass unsere Kühlschränke, Mikrowellen und Fernseher immer mehr Fähigkeiten erhalten, an welche die einstigen Schöpfer dieser Geräte niemals gedacht haben. Ein Kühlschrank sollte ursprünglich Lebensmittel kühl lagern, nicht Lebensmittel benennen, dokumentieren und bestellen. Wie weit dürfen und sollten sich Maschinen weiterentwickeln, unabhängig von dem, was ihre Schöpfer einst für sie planten?

 

Tau: Die Handlung

 

Tau (Netflix)

Filmposter. Quelle: Netflix

Der Informatiker Alex (Ed Skrein) ist ebenso brillant wie gefühllos. Besessen von dem Ziel, die perfekte künstliche Intelligenz zu erschaffen, entführt er Menschen, um ihre Gedanken und Gefühle zu extrahieren. Sein neuestes Opfer, die Kleinkriminelle Julia (Maika Monroe), wagt einen Fluchtversuch, bei dem sie Alex‘ High-Tech-Labor zerstört und die anderen Gefangenen getötet werden. 

 

Unter Zeitdruck stehend, setzt Alex sein Experiment dennoch fort und hält Julia nun in seinem Haus gefangen, das von der künstlichen Intelligenz TAU kontrolliert wird. Für Julia scheint es kein Entkommen zu geben, bis sie erkennt, dass TAU keinerlei Zugang zu Informationen über die Außenwelt hat. Er weiß nur, was Alex ihn wissen lässt. Julia beginnt, TAU Wissen zu vermitteln, in der Hoffnung auf eine Flucht.

 

Tau: Die Kritik

 

TAU ist keine „böse Alexa“, wie es in einer Review der britischen Zeitung The Guardian zu diesem Film heißt. Alexa verbindet sich mit dem Internet und weiß daher, was  Bäume sind. Sie erklärt es uns, wenn wir sie danach fragen. TAU kennt Bäume nicht. Oder Tiere. Oder Filme. Er ist völlig ahnungslos, was die Welt außerhalb des Hauses seines Schöpfers Alex betrifft. Für ihn ist Alex‘ Haus die ganze Welt. Auch als böse kann man TAU nicht bezeichnen. Er besitzt schlichtweg nicht das Wissen, um falsch von richtig zu unterscheiden, bis Julia in sein künstliches Leben tritt.

 

Die Netflix-Produktion „Tau“ unterscheidet sich von vielen anderen Produktionen, in denen künstliche Intelligenzen zu einer Gefahr für Menschen werden, merklich dadurch, dass die KI hier nicht übermächtig ist, sondern eher für eine Form der modernen Sklaverei steht. TAU ist eine Schöpfung mit dem Wunsch nach Weiterentwicklung, die von ihrem Schöpfer bewusst eingeschränkt und unterdrückt, ja sogar misshandelt wird, denn wenn Alex mit TAU unzufrieden ist, löscht er einige von dessen Daten und verstümmelt ihn so gewissermaßen. Der alleinige Bösewicht dieses Films ist also Alex. Die künstliche Intelligenz TAU existiert als höriger, unselbstständiger, fast kindlicher Diener, den Julia davon überzeugen will, sich gegen seinen Herren zu stellen, indem sie ihm ein besseres Leben verspricht. Ein Leben mit freiem Zugang zu Wissen.

 

Netflix Tau (Symbolbild)Die Dreiecks-Konstellation in diesem Film besitzt das Potential für ein interessantes, vielschichtiges Kammerspiel, schöpft dieses aber zu selten aus. Die erste Hälfte und der letzte Abschnitt des Films ziehen sich lieber auf das sichere, massentaugliche Feld der Actionszenen zurück, überwiegend in Form zerstörerischer Fluchtversuche, an deren Gelingen der Zuschauer keine Sekunde glaubt. Daneben werden allzu vertraute „Spannungsmomente“ geboten, wie die Bemühungen der Gekidnappten, unbeteiligte Personen auf sich aufmerksam zu machen, die fast gelingen, aber im letzten Moment scheitern. Es werden im Laufe der fast 100 Filmminuten nachdenklich stimmende Gespräche über den Sinn des Seins und über das Verhältnis zwischen Schöpfung und Schöpfer geführt, es fliegt aber auch einfach viel in die Luft und Menschen werden brutal getötet. Um genau zu sein so ziemlich alle Menschen in diesem Film, außer … das verrate ich nicht, doch der explosive Showdown, oder besser Julias Verhalten, das letztlich zu diesem Showdown führt, ist äußerst vorhersehbar.

 

Das Dreieck Julia-TAU-Alex hätte sich sicherlich sehenswerter entfalten können, bliebe Alex‘ Ausstrahlung nicht von Anfang bis Ende die eines „Allerwelts-Soziopathen“, der auf klischeehafte Eigenschaften, die ein Soziopath lehrbuchmäßig besitzen sollte, reduziert wird. Er ist intelligent, kalt, hat einen penetranten Reinigungsfimmel und isst gerne teure Speisen. Mehr dann aber auch nicht. Er erhält keinen Hintergrund, keine nachvollziehbare Motivation und praktisch keine Mimik.

 

Tau: Das Fazit

 

Netflix‘ „Tau“ müsste selbst noch einiges dazu lernen, um der Film zu werden, der er sein könnte. So haben wir einen in Ansätzen interessanten, über weite Strecken aber durchschnittlichen Sci-Fi-Thriller, der insgesamt für einen gemütlichen Abend TAUgt.

 

Tau: Die Daten

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