Unnützes Wissen, 2und2

Unnützes Wissen: Lover Boy, Merkur und mehr

Unnützes Wissen, 2und2

Der Mai 2018 brachte uns Hitze und hitzebedingte Unwetter der sommerlichsten Sorte, dabei hatten die meisten von uns noch nicht einmal ihre Winterjacken aussortiert. Viel besser sortiert (ein Hoch auf geschickte Überleitungen!) sind da die unnützen Fakten, die ich im Mai gesammelt habe – und mindestens einer davon ist sehr viel heißer als es der Mai 2018 war.

 

UNNÜTZES WISSEN 163 bis 170

163

In den frühen 1980er-Jahren sorgte der Videospielautomat „Lover Boy“ mit nicht jugendfreien Szenen für Diskussionen, sogar im Deutschen Bundestag. Als Ergebnis wurde die Freiwillige Automaten-Selbst-Kontrolle (ASK) gegründet, die Lover Boy komplett aufkaufte und angeblich alle Platinen vernichtete.

Videospiel: Lover BoyWas war denn eigentlich so schlimm an „Lover Boy“? Vom Spielprinzip her ähnelte der Lover Boy dem Klassiker „Pac-Man“. Ziel war es, mit der nackten Spielfigur Lover Boy innerhalb einer Stadt, die verblüffende Ähnlichkeit mit einem Labyrinth hatte, so viele Frauen wie möglich zu fangen und dabei Polizisten und ihren Hunden auszuweichen. Sobald der Lover Boy eine Frau erwischt hatte, wechselte die Szenerie und der Spieler musste manisch auf einen Knopf drücken, damit der „Held“ Sex mit seiner Beute haben und sie nicht weglaufen konnte. Also wirklich fast genau wie Pac-Man, nur mit widerlicher Verherrlichung von Vergewaltigung. Offenbar tat die Gründung der ASK damals dringend Not, da die steigende Popularität des Mediums Videospiele offenbar einigen Entwicklern das Gehirn in die Hose rutschen ließ.

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Der Brasilianer Carlos Henrique Raposo, genannt Carlos Kaiser, wollte ein Fußballprofi sein, ohne Fußball spielen zu müssen, und schaffte dies auch. Er wurde im Laufe seiner „Karriere“ von mehreren Clubs unter Vertrag genommen, ohne je zu spielen, da er stets Verletzungen vortäuschte oder absichtlich Suspendierungen provozierte.

Ein echter Fake-Fußballer. Er besaß zwar keine fußballerische Begabung, war aber körperlich fit. Jedes Mal, wenn ihn ein neuer Verein unter Vertrag nahm, gab er vor, nach einer Verletzung noch Aufbautraining zu benötigen. Bei diesen nur auf Kondition ausgerichteten Übungen konnte er glänzen. Wenn es dann Zeit wurde, tatsächlich mit dem Ball und mit seinen Mitspielern zu trainieren, täuschte er Oberschenkelverletzungen vor. Als er in einem Spiel eingewechselt werden sollte, zettelte er kurzerhand eine Schlägerei mit Zuschauern an. Carlos Kaiser konnte nicht kicken, aber er war gut darin, sich mit Spielern anzufreunden, damit sie ihn empfahlen, und Journalisten dazu zu bringen, positiv über ihn zu schreiben. Auf seine eigene Weise war bzw. ist er sehr talentiert. Man kann mit ihm keine WM gewinnen, aber vielleicht erfolgreich ein Kasino ausrauben.

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Den Planeten Merkur werden Menschen vermutlich niemals betreten können, da er fast keine Atmosphäre besitzt, welche die Sonnenstrahlen filtert. Auf seiner Tagseite erreicht der Merkur eine Temperatur von bis zu 430° C, auf der Nachtseite sinken die Temperaturen hingegen bis auf -173° C ab.

Ungemütlich. Der Merkur scheint keinen gesteigerten Wert auf Besucher zu legen, zumindest nicht von der Erde. Vielleicht kreist er auch deshalb so schnell um die Sonne wie kein anderer Planet unseres Sonnensystems. Er ist auf der Flucht. Seine flotte Umlaufbahn hat ihm auch seinen Namen Merkur eingebracht, nach dem römischen Götterboten mit den geflügelten Schuhen.

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Illinois erzeugt mehr Strom aus Kernenergie als jeder andere Bundesstaat der USA und macht insgesamt etwa 10% der nationalen Kernkraft aus.

Ein strahlendes Vorbild. Illinois ist auch die Heimat der weltgrößten Bäckerei und besteht immer noch zum größten Teil aus Ackerland. Die Hauptstadt ist Springfield, allerdings wohl nicht jenes, in dem die Simpsons leben.

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Die ersten Weltmeisterschaften im Tauziehen (Outdoor) wurden 1975 in den Niederlanden in der Gemeinde Doetinchem ausgetragen. Die ersten Weltmeisterschaften im Tauziehen in der Halle (Indoor) fanden 1991 in Spanien in der Stadt Getxo statt.

Tauziehen ist so faszinierend … da braucht man zwei Weltmeisterschaften für. Viele Menschen werden sich nicht mehr daran erinnern, aber Tauziehen (Outdoor) war sogar mal eine olympische Disziplin, von 1900 bis 1920. Dabei traten nicht immer zwei Nationen gegeneinander an, sondern des Öfteren auch eine Nation gegen ein gemischtes Team aus verschiedenen Nationalitäten. 1900 gewann eine gemischte Mannschaft aus Dänen und Schweden Gold im Tauziehen.

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Addis Abeba, die Hauptstadt Äthiopiens, ist auch der Sitz der UN-Wirtschaftskommission für Afrika und des Hauptquartiers der Afrikanischen Union.

Erwischt! Die meisten von uns wissen schlichtweg nicht, wo die Afrikanische Union ihren Sitz hat – oder dass es überhaupt eine Afrikanische Union gibt. Die Afrikanische Union vertritt 55 Länder. Sie wurde 2002 als Nachfolger der Organisation für Afrikanische Einheit gegründet. Addis Abeba ist kleiner als Berlin und Hamburg, aber größer als München. Immerhin.

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Einer der schwierigsten und bekanntesten Sprünge im Eiskunstlauf – der Axel – ist benannt nach seinem Erfinder, dem norwegischen Eiskunstläufer Axel Paulsen, der allerdings trotz dieses Sprunges bei den ersten internationalen Eiskunstlaufwettkämpfen 1882 in Wien „nur“ Dritter wurde.

Axel Paulsen

Axel Paulsen

Eine wichtige Lektion! Nur weil du etwas erschaffst, das deinen Sport prägt und als Königsdisziplin in die Geschichte eingeht, bist du noch lange nicht der Beste! Einer der beiden Männer, die sich vor Axel Paulsen platzieren konnten, war der Österreicher Eduard Engelmann jr, den ich bereits in einer früheren Ausgabe des Unnützen Wissens vorgestellt habe. So sieht man sich wieder! Axel Paulsen war neben Eiskunstläufer übrigens auch Eisschnellläufer und stellte mehrere Weltrekorde auf. Der Norweger starb 1938 im Alter von 82 Jahren. Sein Sprung hat ihn weit überlebt.

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Kalmückien, eine autonome Republik im südlichen Teil des europäischen Russlands, ist die einzige Region in Europa, in der der Buddhismus die vorherrschende Religion ist.

Kal … was? Wieder so ein Ort, von dem man zugeben muss, ihn auf der Weltkarte nicht zu finden. Kalmückien liegt am Kaspischen Meer und ist seit 1992 autonom. Viele Menschen leben nicht in Kalmückien, die Region besteht vor allem aus Steppe und ist dünn besiedelt. Die größte Volksgruppe sind die buddhistischen Kalmücken. Es leben auch etwa 1.000 Deutschstämmige in Kalmückien.

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