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Aokigahara. Der Selbstmordwald

Aokigahara

Aokigahara. Der Selbstmordwald

Ein dichter, stiller Wald, in dem alles gleich aussieht. Hier verliert man schnell die Orientierung und kann für immer verschollen bleiben. Leider wollen einige Menschen genau dies. Aokigahara ist der Name eines Waldes in Japan, der jedes Jahr zahllose Selbstmörder anlockt, die hier ihr Leben beenden und oftmals erst nach mehreren Jahren entdeckt werden. Oder gar nicht.

 

Am Fuß des Vulkans Fuji gelegen, erstreckt sich der Aokigahara über 35 km². Er ist ein anerkanntes Naturdenkmal. Auf seinem Gebiet liegt mit der Narusawa-Eishöhle, die durch den Ausbruch des Fujis im Jahr 864 entstand, wiederum ein eigenes Naturdenkmal. Dieser Wald könnte als Attraktion für Wanderer und Entdecker berühmt sein, aber das ist er nicht. Seine Geschichte ist viel trauriger und auch gruseliger.

 

Ende in Aokigahara

 

2003 wurden im Aokigahara die Leichen von 105 Menschen gefunden, die sich größtenteils selbst das Leben genommen haben, zumeist durch Erhängen.  Ein trauriger Rekord in der Geschichte des Waldes. Mittlerweile werden diesbezüglich keine Statistiken mehr veröffentlicht, um weniger Schlagzeilen zu produzieren. Das ist nur eine Maßnahme. Zahlreiche Schilder mit Nummern von Beratungsstellen und Aufforderungen, sich Hilfe zu suchen, sollen die lebensmüden Besucher im letzten Moment daran hindern, ihr Vorhaben zu vollenden:

Dein Leben ist ein wertvolles Geschenk Deiner Eltern. Denke an sie und den Rest Deiner Familie. Du musst nicht alleine leiden.

Allzu oft bringt dies nichts. Seit 1970 findet im Aokigahara jedes Jahr eine große Suche nach Leichen statt, durchgeführt von Polizisten, Feuerwehrleuten, Freiwilligen und begleitenden Journalisten. Eine makabere Angelegenheit.

 

Aokigahara und der Wellenturm

 

BuchDer tragische Selbstmord-Tourismus in ausgerechnet diesem Wald wird oft auf den 1960 erschienenen Roman „Nami no tō“ von Matsumoto Seichō , der in Deutschland unter dem Titel „Der Wellenturm“ veröffentlicht wurde, zurückgeführt. In diesem Bestseller begeht eine Hauptfigur aus Liebeskummer Selbstmord am Fuß des Fuji. Tatsächlich aber war der Aokigahara schon zuvor ein Ort, der eng mit dem Tod assoziiert wurde. Im 19. Jahrhundert soll in dem dichten Wald, der alle Geräusche verschluckt, vielfach Ubasute praktiziert worden sein. Ubasute bedeutet so viel wie „ein Elternteil verlassen“ und galt als eine Form der Sterbehilfe, bei der alte und kranke Verwandte ausgesetzt wurden, damit sie verdursteten oder verhungerten. Dies spielte sich angeblich vor allem während Dürre- und Hungerperioden ab, damit für die Jüngeren genug Nahrung blieb. Es ist freilich umstritten, ob es Ubasute wirklich jemals gegeben hat. Der Aokigahara aber hat seinen Ruf schon lange weg.

 

Der Aokigahara wird berühmt

 

Es dürfte kaum jemanden überraschen, dass der Aokigahara auch Filmschaffende inspiriert. Hollywood hat das Thema längst für sich entdeckt. So erschien Anfang diesen Jahres der US-Horrorfilm „The Forrest“ in den Kinos, in dem eine Frau ihre Zwillingsschwester aus dem Aokigahara retten will. 2015 spielte Matthew McConaughey in „The Sea of Trees“ einen Amerikaner, der plant, sich im Aokigahara das Leben zu nehmen. Auch 2013 war der japanische Selbstmordwald durch den Film „47 Ronin“ in den Kinos präsent. Man kann hier schon von einer gewissen Berühmtheit sprechen, wenn auch einer sehr traurigen.

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