Frankreichs dunkler Fleck: „Black Spot“

Im Original heißt die Serie „Zone Blanche“ („Weiße Zone“), international läuft sie als „Black Spot“ („Schwarzer Fleck“) und beide Titel, obwohl an unterschiedlichen Enden des Farbspektrums angeordnet, stehen im Prinzip für das gleiche: einen abgeschiedenen Flecken Erde, der nicht so funktioniert, wie andere Orte funktionieren. Hier heißt dieser Ort Villefranche.

Black Spot Kritik

Das Mysterydrama“Black Spot“ ist die erste französische Serie, die von Amazon Prime Video weltweit gestreamt wird. Es ist auch gleichzeitig die erste französische Serie, von der ich jemals eine ganze Staffel gesehen habe. Besagte erste Staffel besteht aus acht Episoden.

Black Spot: Die Ereignisse

Black Spot Kritik

Serienposter. Quelle: France 2

Der kleine französische Ort Villefranche liegt mitten in einem riesigen, dichten Wald. Dass das Mobilfunknetz hier nicht sonderlich gut funktioniert, ist noch eines der geringeren Probleme. In Villefranche liegt die Mordrate deutlich über dem nationalen Durchschnitt. Immer wieder wird das Dorf von Tragödien heimgesucht, Menschen verschwinden, schockierende Verbrechen geschehen. Viele Vorfälle scheinen mit dem Wald in Verbindung zu stehen. Gerade einmal vier Polizisten verrichten in Villefranche ihren Dienst und müssen den Rätseln auf den Grund gehen. Angeführt werden sie von Major Laurène Weiss (Suliane Brahim), die im Wald zudem nach Erklärungen für ein Verbrechen sucht, dessen Opfer sie als Jugendliche war. Gibt es eine Verbindung zwischen ihrem damaligen Martyrium, das sie für immer gezeichnet hat, und dem Verschwinden der Bürgermeistertochter Marion Steiner (Sarah-Megan Allouch-Mainier)? Laurènes komplizierte Beziehung zu Marions Vater Bertrand Steiner (Samuel Jouy) erleichtert die Ermittlungen nicht gerade.

Auch Laurènes Tochter Cora (Camille Aguilar) ist auf der Suche nach Antworten. Sie stößt überall im Dorf auf ein mysteriöses, keltisches Symbol, das sie zu einer geheimen Gruppierung führt, die der einflussreichen Familie Steiner den Kampf angesagt hat.

Niemand in dem abgeschiedenen Ort ist glücklich, als mit Franck Siriani (Laurent Capelluto) ein neuer Staatsanwalt nach Villefranche kommt und viele Fragen stellt. Anders als seine Vorgänger lässt er sich durch die Eigenheiten und Gefahren von Villefranche nicht vertreiben.

Black Spot: Die Kritik

Die Wahrheit ist irgendwo da draußen … im Wald. „Black Spot“ funktioniert nach einem Prinzip, das spätestens seit „Akte X“ als bewährt gelten kann: eine Mischung aus Mysterium der Woche und den übergeordneten Geheimnissen. Während der Vermisstenfall Marion Steiner und Laurènes Suche nach Antworten über die Geschehnisse in ihrer Jugend, die vielleicht oder vielleicht auch nicht miteinander in Verbindung stehen, alle Episoden umspannen, ereignen sich abgeschlossene Geschichten wie die mehrfache Entführung eines Babys und der Mord an einem Teenager während eines alten Rituals von Villefranche, genannt „die Nachtwache“.

Black Spot Kritik

Szene aus „Black Spot“. Quelle: Amazon

Gerade im Verhältnis zwischen Opfern und Tätern ist bei den Geschehnissen vieles nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. In einem so kleinen Ort wie Villefranche sehen sich die Ermittler zudem immer wieder mit der Tatsache konfrontiert, dass sie gute Bekannte oder Freunde verdächtigen müssen. Glamourös ist die Polizeiarbeit hier nicht. Laurène und ihre Kollegen klettern in Höhlen hinab, laufen bei miesestem Wetter durch den Wald und stoßen schon mal im wahrsten Sinne des Wortes auf ein Schlangennest. Es ist eine Tätigkeit ohne Netz und doppeltem Boden. Die kleine Polizeieinheit ist immer mittendrin – emotional und körperlich.

Die Serie „Black Spot“ lebt natürlich wesentlich von ihrem Schauplatz Villefranche, einem faszinierenden, unbequemen und unsicheren Städtchen. Die Umgebung ist sehr grün, aber es ist ein düsteres Grün. Oft zieht Nebel auf, es regnet viel, Raben sitzen auf Fensterbänken. Neben der Bildsprache bauen auch die Geräusche, vor allem jene im Wald, eine bedrohliche Atmosphäre auf. Man hört Tierlaute, knackendes Holz und leises Flüstern, das nur der Wind sein könnte, oder eben auch nicht. Lauert zwischen den Bäumen etwas Übernatürliches oder handelt es sich doch einfach nur um einen Wald mit nicht zu unterschätzenden, aber ganz natürlichen Unwegsamkeiten? Die Serie beeilt sich nicht damit, diese Frage eindeutig zu beantworten.

Die Charaktere sind so kantig wie der Ort, in dem sie leben. Laurène als Dreh- und Angelpunkt der Serie ist eine Getriebene, gejagt von den Schatten ihrer Vergangenheit. Der Status kompliziert gilt für fast alle ihre Beziehungen, ob zu ihrer Tochter oder dem Bürgermeister, ihrer Jugendliebe, dem man nicht weiter traut, als man ihn werfen könnte. Bei Einsätzen meist an Laurènes Seite ist Nounours (Hubert Delattre), der als offen homosexueller Polizist in der Provinz keinen leichten Stand hat. Dass Nounours schwul ist, erfährt der Zuschauer zunächst nur beiläufig und man verzichtet gänzlich darauf, bei diesem Charakter auch nur ansatzweise den Eindruck zu vermitteln, er sei weniger männlich als ein heterosexueller Polizist. Der neue, unwillkommene Staatsanwalt Franck Siriani lernt mit uns Zuschauern zusammen Villefranche kennen und ist mit all seinen Allergien eigentlich gänzlich ungeeignet, an diesem Ort zu bestehen, aber er erweist sich als äußerst hartnäckig. Ein Sympathieträger ist er nicht wirklich, bringt aber ein wenig sarkastischen Humor ins Geschehen.

Black Spot: Das Fazit

Mehr als ein dunkler Fleck im Angebot von Amazon Prime Video: „Black Spot“ ist eine interessante Mysteryserie mit einer atmosphärischen Kulisse, unverbrauchten Darstellern und vielen Wendungen. Die Staffel endet offen, zum Glück wurde eine zweite Season bestellt.