(Schwer) Bewaffnete Wappen

Die Geschichte der (europäischen) Wappen ist eng verbunden mit dem Rittertum und entsprechend mit kriegerischen Auseinandersetzungen. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass viele Stadt- und Gemeindewappen bis heute Waffensymbole aufweisen. Diese stehen in der Regel für Wehrhaftigkeit. Nur sind wir heute dahingehend etwas empfindlicher als die Menschen es früher waren.

Bewaffnete Wappen

Ducken!

Vermutlich bilden sich aktuell selten Gruppen wie „Mütter gegen Schwerter auf Wappen“ (MgSaW) oder „Pädagogen für Wappen ohne Pfeile“ (PfWoP), aber ich kann mir zumindest vorstellen, dass Gemeinden, die den Entschluss fassen, sich ein neues Wappen zuzulegen, die Waffensymbolik lieber außen vor lassen. Dabei sind die abgebildeten Waffen ohnehin so altmodisch, dass man sie heutzutage nur noch in Videospielen bekommt. So mancher Jugendlicher könnte bei dem Anblick der folgenden Wappen eher an sein favorisiertes Multiplayer-Spiel als an Geschichte und Tradition denken.

Fünf bewaffnete Wappen

WAPPEN VON Aalst

Bewaffnete Wappen: AalstDie Stadt Aalst in Belgien trägt ein Wappen aus dem Jahr 1394. Damals waren Schwerter, wenn auch nicht unbedingt in roter Farbe, tatsächlich noch ein beliebtes Instrument zur effektiven Feindesbekämpfung. Hinterher war es dann mitunter doch rot. Das Schwert auf dem Wappen von Aalst symbolisiert die Unabhängigkeit der Stadt und ihre Bereitschaft, diese zu verteidigen. Bei aller Selbstständigkeit gehörte Aalst dennoch zur Grafschaft Flandern und zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, dafür stehen die beiden kleinen Wappenschilder links und rechts des Schwertes.

WAPPEN VON Pfyn

Bewaffnete Wappen: PfynNicht ein Pfeil, nicht zwei Pfeile, sondern gleich derer drei zieren das Wappen der Schweizer Gemeinde Pfyn, deren Name den Laut eines abgeschossenen Pfeils zu imitieren scheint. Pfeile auf Wappen betonen die zielstrebige Wehrhaftigkeit eines Ortes und weisen auf seinen hohen Grad an Wachsamkeit hin. Die Pfeile hier sind „beflitscht“, da sie Federn in einer Farbe besitzen, die identisch ist mit jener der Pfeilspitze. Ja, es macht im Wappenwesen tatsächlich einen Unterschied, welche Farbe die Federn im Vergleich zum Rest des Pfeils haben. 10 von 10 Menschen, die von einem Pfeil durchbohrt werden, sind solche Details egal.

WAPPEN VON Feucht

Bewaffnete Wappen: Wappen von FeuchtDie reizende Marktgemeinde Feucht im Nürnberger Land muss sich vermutlich oft genug schlüpfrige Wortspiele gefallen lassen, daher überspringe ich diesen Teil und komme gleich zum Wappen. Wir sehen einen mit Armbrust und Pfeilen bewaffneten Imker,  der mit dieser Ausstattung allerdings nicht die Bienen beschützen wollte. Im 13. Jahrhundert mussten die Feuchter Waldimker (auch Zeidler genannt), die den Honig der Waldbienen aus dem Reichsforst sammeln durften, als Gegenleistung Armbrustschützen für das Heer stellen. Dazu verpflichtet, einen Teil des Honigs abzugeben, waren sie außerdem noch. Das Wappen in dieser Form besteht seit 1922.

WAPPEN VON Haundorf

Bewaffnete Wappen: HaundorfHaun und Stechen. Das Wappen der bayerischen Gemeinde Haundorf zeigt scheinbar zwei Waffen, will das aber so nicht verstanden wissen. Die Armbrust ist eine Armbrust, aber die Axt ist offiziell ein „Zimmermannsbeil und somit völlig ungefährlich für all jene, die nicht zufällig aus Holz bestehen. So lange man in Haundorf also nicht den Eindruck erweckt, man wolle zu einem Tisch verarbeitet werden, muss man höchstens Angst haben, einen Pfeil in den Rücken zu bekommen. Nebenbei ist Haundorf ein staatlich anerkannter Erholungsort.

WAPPEN VON Grosmagny

Bewaffnete Wappen: GrosmagnyWenn man sie mit einem netten Schleifchen zusammenbindet, wirken Pfeile gleich viel weniger bedrohlich. Die französische Gemeinde Grosmagny kombiniert auf ihrem Wappen Wehrhaftigkeit mit freundlicher Einladung. Das ist durchaus nachvollziehbar in Anbetracht der Tatsache, dass Grosmagny keine 600 Einwohner hat. Da kann man es sich nicht erlauben, zu schwach zu erscheinen, man muss sich aber auch nicht gefährlicher machen, als man ist.

 

Vorschau

Zwei Länder, die man gerne mal zusammenschmeißt, stehen in der nächsten Ausgabe von „Spaß mit Wappen“ im Fokus: Litauen und Lettland. Ich kann bereits versprechen, dass wir da auch wieder Waffen sehen werden – und Bäume. Waffen und Bäume. Freut euch drauf (sonst gibt’s was auf die Rübe!).

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